Der George F. Kennan Kommentar-Preis

Seit Mai 2001 wird zudem jährlich der Kommentar-Preis für die beste transatlantische Berichterstattung in Kommentarform vergeben. Der durch das Kuratorium der Internationalen Journalisten-Programme vergebene Preis geht an einen Journalisten, der in inhaltlich bemerkenswerter und herausragender Weise im abgelaufenen Kalenderjahr in einer deutschen Publikation einen Kommentar veröffentlich hat, der sich mit Fragen der Vereinigten Staaten oder des transatlantischen Verhältnisses beschäftigt. Der Preis ist mit einer Urkunde und einem Preisgeld von eintausend Euro dotiert.

Bisherige Preisträger sind:

  • Christian Wernicke (2010)
  • Roger Cohen (2009)
  • Niklas Maak (2008)
  • Jacob Heilbrunn (2007)
  • Dr. Joseph Joffe (2006)
  • Andreas Geldner (2005)
  • Matthias Rüb (2004)
  • Stefan Kornelius und Clemens Wergin (2003)
  • Robert von Rimscha (2002)
  • Christoph von Marshall und Steven Erlanger (2001)
  • Roger Cohen (2000)

Der Deutsch-Amerikanische Kommentarpreis wurde 2005 zu Ehren des kürzlich verstorbenen Diplomaten und Schriftstellers George F. Kennan in George F. Kennan-Preis umbenannt.

Der Jury des Kommentar-Preises gehören die Journalisten Sabine Christiansen (TV21 Media), Dr. Christoph von Marschall (Tagesspiegel), Claus Strunz (Bild am Sonntag), und Dominik Wichmann (Süddeutsche Zeitung) sowie Dr. Frank-Dieter Freiling (ZDF) und Petra Stoeckl (Auswärtiges Amt) an.

George F. Kennan Kommentar-Preis 2010

Der jährlich durch das Kuratorium der Internationalen Journalisten-Programme vergebene Preis geht an einen Journalisten, der in inhaltlich bemerkenswerter und herausragender Weise im abgelaufenen Kalenderjahr in einer deutschen Publikation einen Kommentar veröffentlich hat, der sich mit Fragen der Vereinigten Staaten oder des transatlantischen Verhältnisses beschäftigt. Der Preis ist mit einer Urkunde und einem Preisgeld von 2.000 Euro dotiert.

Die Jury vergibt den Kennan-Kommentar-Preis 2010 an den USA-Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung, Christian Wernicke, für seine Analyse der US-Kongresswahl vom 2. November 2010, erschienen unter dem Titel „Der blutleere Präsident“ als Leitartikel in der Süddeutschen Zeitung zwei Tage später. In Wernickes Deutung des Wahlergebnisses kommt die Erfahrung eines Journalisten zum Tragen, der seit mehr als fünf Jahren die amerikanische Politik und ihre Wahrnehmung in Deutschland von Washington aus beobachtet und so zwangsläufig die Rolle eines Übersetzers zwischen unterschiedlichen Kulturen angenommen hat. Er nimmt in seinem Kommentar das Unverständnis in Deutschland auf, warum Barack Obama, der in Europa bei vielen Heldenstatus genießt, daheim eine so schwere Niederlage erleiden muss. Teils freundlich-erklärend, teils ironisch widerlegt er gängige deutsche Klischees für den Verfall der Zustimmung zu Präsident Obama in den USA. Er setzt ihnen eine Analyse entgegen, die auf großem Einfühlungsvermögen in die amerikanische Seelenlage nach der Finanzkrise beruht.  Der Präsident habe den Rückhalt in Amerikas Mitte verloren. Millionen Bürger empfinden seine „staatstragende Agenda als kühn, ja als revolutionär. Was Obama als Modernisierung verordnet, erleben viele als Systembruch. Und als unamerikanisch.“ Wernicke kontrastiert die Obama-Ernüchterung der Amerikaner mit dem hohen Rückhalt, den seine Rückhalt weiterhin in Deutschland genießt. In klarer und zugleich unterhaltsamer Sprache leistet Wernicke einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der politischen Dynamik Amerikas unter Deutschen. Und hat am Ende noch Trost für die unbeugsamen Obama-Fans unter seinen Lesern parat: Falls Obama aus dem Wahlschaden klug wird, kann er 2012 wieder als Held dastehen – sowohl bei Europäern als auch bei Amerikanern.

Stefan Tomik erhält eine lobenden Erwähnung für seinen Leitartikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu Wikileaks, dem journalistischen Metathema des vergangenen Jahres. Der Jury gefällt der frische und exzellent verfasste Kommentar über die Frage, ob das Tun der Gruppe um Julian Assange falsch oder richtig war. Stefan Tomik nimmt dabei eine ungewöhnliche, journalismuskritische Position ein. Für die einen in der Jury ein mutiger Text, für andere ein intellektuell waghalsiges Vorgehen. Der Beitrag von Stefan Tomik war gewiss nicht unumstritten. Gleichwohl war sich die Jury einig darin, den Leitartikel mit einer lobenden Erwähnung jene Ehre zukommen lassen, die ihm nach Meinung aller gebührt.

Der Jury beider Preise gehören die Journalisten Sabine Christiansen, Dr. Christoph von Marschall (Tagesspiegel), Claus Strunz (Hamburger Abendblatt), und Dr. Dominik Wichmann (Süddeutsche Zeitung) sowie Dr. Frank-Dieter Freiling (ZDF) und Petra Stoeckl (Auswärtiges Amt) an.

Download:
Christian Wernicke: Der blutleere Präsident (The bloodless President), Süddeutsche Zeitung, published on November 2, 2010 (.pdf, 3,0 MB)

Burns- und Kennan-Jurymitglied Claus Strunz (links) stellt zusammen mit Staatssekretär Peter Ammon, künftiger deutscher Botschafter in den USA, die Preisträger 2010 vor.
Burns- und Kennan-Jurymitglied Claus Strunz (links) stellt zusammen mit Staatssekretär Peter Ammon, künftiger deutscher Botschafter in den USA, die Preisträger 2010 vor.
Preisträger Cordula Meyer von Der Spiegel und Christian Wernicke von der Süddeutschen Zeitung.
Preisträger Cordula Meyer von Der Spiegel und Christian Wernicke von der Süddeutschen Zeitung.

George F. Kennan Kommentar-Preis 2009

Der jährlich durch das Kuratorium der Internationalen Journalisten-Programme vergebene Preis geht an einen Journalisten, der in inhaltlich bemerkenswerter und herausragender Weise im abgelaufenen Kalenderjahr in einer deutschen Publikation einen Kommentar veröffentlich hat, der sich mit Fragen der Vereinigten Staaten oder des transatlantischen Verhältnisses beschäftigt. Der Preis ist mit einer Urkunde und einem Preisgeld von 2.000 Euro dotiert.

Die Jury vergibt den Kennan-Kommentar-Preis 2009 an den langjährigen Berlin-Korrespondenten der New York Times und Kolumnisten der International Herald Tribune in Paris, Roger Cohen, für seine Analyse „German Angst“, erschienen im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 20. März 2009. In seinem Beitrag widmet sich der Autor auf überzeugende und überraschende Weise dem transatlantischen Verhältnis, indem er die Veränderungen der Beziehung beider Länder an der Veränderung des anglo-amerikanisch geprägten Begriffs der „German Angst“ spiegelt. Cohen beschreibt den Wandel der deutschen Mentalität zudem in einer für Kommentare nicht immer selbstverständlichen klaren und zugleich unterhaltsamen Sprache. Cohen hatte den Kennan-Kommentar-Preis bereits einmal im Jahr 2000 erhalten.

Der Jury beider Preise gehören die Journalisten Sabine Christiansen, Dr. Christoph von Marschall (Tagesspiegel), Claus Strunz (Hamburger Abendblatt), Florian Illies (Die Zeit/Monopol) und Dr. Dominik Wichmann (Süddeutsche Zeitung) sowie Dr. Frank-Dieter Freiling (ZDF) und Petra Stoeckl (Auswärtiges Amt) an.

Download:
Roger Cohen: German Angst, Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 12/2009 (.pdf, 2,0 MB)

George F. Kennan Kommentar-Preis 2008

Die Jury vergibt den Kennan-Kommentar-Preis 2008 an den Berliner Korrespondenten der FAZ, Niklas Maak, für seinen am 20. April 2008 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen Beitrag „Die Botschaft der Botschaft“. Dieser Text ist in seiner Kommentarform sehr ungewöhnlich und deshalb in diesem an Kommentaren zu den US-Präsidenten Bush und Obama überreich bestückten Jahr besonders preiswürdig, weil es ihm gelingt, die weltpolitische Stellung Amerikas und die Identitätsprobleme der USA mit einer klassischen Architekturkritik zu beschreiben.

Lobend erwähnen möchte die Jury den SZ-Korrespondenten Nikolaus Piper mit seinem Kommentar „Wendejahr 2008“, erschienen in der Süddeutschen Zeitung am 31. Dezember 2008. Trotz aller Zeitgenossenschaft nimmt Piper eine beeindruckende Distanz ein und beschreibt mit großer Weitsicht, was 2008 geschah. Er begreift Wirtschaftspolitik dabei als Weltpolitik.

George F. Kennan Kommentar-Preis 2007

Die Jury vergibt den Kommentar-Preis 2007 an den US-Journalisten Jacob Heilbrunn, White House-Korrespondent der Zeitschrift National Interest und 1994 Burns Fellow, für seinen Beitrag "Ami, go home", veröffentlicht am 7. Dezember im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Die Begründung der Jury lautet: "Heilbrunn ist ein sehr differenzierter Kommentar gelungen, der den US-Wahlkampf genau analysiert, die wesentlichen Besonderheiten des Wettstreits gut herausarbeitet und teils überraschende Einblicke gewährt. Der Autor beschreibt, wie der US-Präsident durch sein glückloses Agieren eine zeitweise fast diskreditierte politische Strömung, den amerikanischen Liberalismus, wieder neu befeuert hat. Heilbrunn macht diese Feststellung an einem Vergleich zwischen dem Demokraten Al Gore und dem Republikaner George W. Bush fest: Während Bush in seinen zwei Amtszeiten Stück für Stück an Ansehen verlor, stieg das Ansehen des einstigen Wahlverlierers Al Gore stetig. Durch solche Beispiele gelingt es Heilbrunn, den Text trotz der Tiefe der Analyse stets überraschend und lebendig zu halten. Er leistet damit, was ein sehr guter Kommentar leisten muss: eine neue Perspektive auf das Thema zu entwerfen. Hinzu kommt Heilbrunns offene, klare Sprache, die sich wohltuend vom häufig einheitlichen Jargon vieler Kommentare absetzt."

Ausdrücklich erwähnt werden muss laut Meinung auch der Jury Illustrator Christoph Niemann, dessen markante Zeichnungen als Jahresvignetten der Ära Bush einen weiteren, wesentlichen und durchaus überraschenden Reiz der Präsentation dieses Kommentars ausmachen.

Download:

"Ami go Home" (.pdf) aus dem Süddeutsche Zeitung Magazin vom 7. Dezember 2007.

George F. Kennan Kommentar-Preis 2006

Die Jury erkennt der Kommentar-Preis für 2006 Dr. Josef Joffe, Mit-Herausgeber der Zeit, für seinen Kommentar „Nach dem Fiasko“, erschienen in der Zeit am 9. März 2006, zu. Die Begründung lautet: „In diesem Beitrag beeindruckt Joffes ausgreifende Analyse der ungewollten Machtverschiebung im Mittleren Osten durch den Irak-Krieg. Iran ist der Gewinner des amerikanischen Fiaskos. Der Kommentar besticht durch eine klare und anschauliche Sprache. Joffe gelingt es zudem, in sein Hauptthema, die amerikanische Irakpolitik und deren unbeabsichtigten Nutzen für den Iran, auch weitere Handlungsstränge zu verweben. Hier sind das Verhalten der Bundesregierung und die Atompolitik gegenüber Indien zu nennen, die den nuklearen Nichtverbreitungspakt unterläuft. So wird aus einer Analyse der Folgen des Irak-Krieges für die Machtbalance im Mittleren Osten ein Lehrstück weltpolitischer Zusammenhänge und Wechselwirkungen.“

George F. Kennan Kommentar-Preis 2005

Die Jury erkennt der Kommentar-Preis für 2005 Andreas Geldner, Redakteur der Stuttgarter Zeitung, für seinen am 14. Mai 2005 erschienen Beitrag „Wir befinden uns in Preußisch-USA – Deutschlands missverstandene Amerikanisierung“ zu.
Die Begründung lautet: In seinem Beitrag hinterfragt Geldner die in jüngster Zeit immer häufiger vorgetragenen Forderungen deutscher Unternehmer und Politiker nach einer stärkeren Amerikanisierung des Wirtschaftlebens und legt die Oberflächlichkeit dieser Appelle offen. Denn es sei eine „Amerikanisierung à la carte“, die da gefordert werde, ein „Preußisch-Amerika“. Die tatsächlichen Eigenschaften der Amerikaner, so der Autor, die Neugierde, das Interesse, Neues zu probieren und zu akzeptieren, dass man dabei auch scheitern könne, würden gerade die Wortführer der Amerikanisierung oft nicht erfüllen. Mit seinem Beitrag bringt Geldner in präziser Sprache einen neuen, unerwarteten Gedanken in eine festgefahren wirkende Debatte ein.

Lobend erwähnen möchte die Jury zudem Thomas Spang, USA-Korrespondent für verschiedene Regionalzeitungen für seine vierteilige Serie „Grenzen der Macht“, erschienen in der Saarbrücker Zeitung . Hier fand die Jury bemerkenswert, dass eine solche Serie in dieser Ausführlichkeit in einer Regionalzeitung möglich ist und dass Ansatz sowie Zeitpunkt der Serie gut gewählt sind.

Kommentar-Preis 2004

Der Kommentarpreis 2004 geht an Matthias Rüb für seinen Leitartikel "Kulturkampf in Amerika", der am 4. November 2004 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien. In dem Kommentar gelingt es dem Washingtoner Korrespondent der Zeitung eindrucksvoll, in der kulturellen Spaltung der Vereinigten Staaten die Ursachen für einen neuerlichen Wahlsiegs George W. Bushs festzumachen. Gleichzeitig erörtert Matthias Rüb überzeugend, dass jedoch gerade diese gesellschaftliche Heterogenität der USA nicht neu ist und daher ein europäischer Alarmismus die politischen Traditionen der Vereinigten Staaten verkennen würde. Der Kommentar ist glänzend geschrieben und über den Tag hinaus von Bedeutung.

Ausdrücklich möchte die Jury den Autor Nils Minkmar lobend erwähnen. Minkmar vermochte es in mehreren Beiträgen für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die kulturellen Voraussetzungen politischen Handelns in den USA anschaulich darzustellen und präzise zu erläutern. Spielend schafft es Nils Minkmar, Zusammenhänge zwischen der Popkultur und dem Entstehen einer neuen Linken in den USA herzustellen. Und auch den oft abstrakten Begriff des Antiamerikanismus versteht der Autor zu erklären. Der Jury hat besonders gut gefallen, dass Nils Minkmar jegliche Floskeln der politischen Kommentierung vermeidet und das journalistische Genre des Leitartikels gekonnt modernisiert.

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