Der Arthur F. Burns Preis wird verliehen durch den Bundesminister des Auswärtigen und die IJP an je einen deutschen und einen amerikanischen Burns-Alumni, der im abgelaufenen Kalenderjahr in bemerkenswerter und herausragender Weise, unter Berücksichtigung besonderen journalistischen Könnens, einen Beitrag zur politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Situation des jeweiligen Partnerlandes oder zu den transatlantischen Beziehungen veröffentlicht hat.
Der Jury gehören die Journalisten Sabine Christiansen (ARD), Dr. Christoph von Marschall (Tagesspiegel), Claus Strunz (Bild am Sonntag), Florian Illies (Die Zeit/Monopol) und Dr. Dominik Wichmann (Süddeutsche Zeitung) sowie Dr. Frank-Dieter Freiling (ZDF) und Martina Nibbeling-Wriessnig (Auswärtiges Amt) an.
Die Arthur F. Burns-Preise 2008 werden verliehen durch den Bundesminister des Auswärtigen an je einen deutschen und einen amerikanischen Burns-Alumni, der im Kalenderjahr 2008 in bemerkenswerter und herausragender Weise, unter Berücksichtigung besonderen journalistischen Könnens, einen Beitrag zur politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Situation des jeweiligen Partnerlandes oder zu den transatlantischen Beziehungen veröffentlich hat.
Der mit 2.000 Euro dotiert Preis für den besten deutschen Beitrag geht an Dr. Gregor Peter Schmitz, Spiegel-Korrespondent in Washington, für seinen Beitrag „Obamas Traum“, erschienen im Oktober 2008 im Spiegel Special USA. Der Autor beschäftigt sich mit einem zentralen Thema des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes 2008: der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. In seinem Beitrag geht Schmitz ausführlich auf die Hoffnungen schwarzer Bürgerrechtler ein, die sich mit der Wahl des Afroamerikaners Barack Obama verbindet. Schmitz beschreibt aber auch eindringlich die Enttäuschungen von Bürgerrechtlern wie Jesse Jackson, die sich nur wenig in der Kampagne Obamas wiederfanden. Diese Widersprüchlichkeit des Sieges des ersten Afroamerikaners zum US-Präsidenten beschreibt der Autor eindringlich. Dies und die ausgiebige Recherche des Autors kennzeichnen den Text besonders.
Lobend erwähnen möchte die Jury zwei weitere deutsche Journalisten: Silvia Feist für Ihren in der August-Ausgabe der Zeitschrift „Emotion“ erschienen Beitrag „Der nächste Einsatz“ über zwei US-Soldaten, die im Irak und in Afghanistan einen Arm oder ein Bein verloren hatten und als behinderte Sportler bei den Paralympics in Peking antraten. Und Peter Wagner für seinen sehr humorvollen Beitrag zur Jugendseite der Süddeutschen Zeitung, „jetzt.de“ mit dem Titel „Meine Jagd nach dem Autogramm von Obama“, erschienen am 27. Oktober 2008 in der SZ.
Die Jury hat zudem entschieden, dass der mit ebenfalls 2.000 Euro dotierte Preis für den besten amerikanischen Beitrag in diesem Jahr an den US-Journalisten Andrew Curry geht, der aktuell als freier Journalist in Berlin lebt. Sein in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift „Wired“ erschienener Beitrag „Piercing together the dark legacy of East Germany´s secret police“ beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit in Deutschland. Dies ist für die Leserschaft in den USA sicherlich ein deutsches Randthema. Um so mehr beeindruckt es, wie es Andrew Curry schafft, dieses Thema so aufzuarbeiten, dass das Magazin seinen Text in beachtlicher Länge abdruckte. Dies liegt vor allem an der Dramaturgie der Geschichte, die die langwierige Puzzlearbeit bei der Aufarbeitung der Stasi-Akten mit dem persönlichen Schicksal einer der Angestellten der Behörde kunstvoll verbindet. Curry macht das schwere Thema so auf eine unterhaltsame Art zugänglich, ohne ihm seine Tiefe zu nehmen.
Lobend erwähnen möchte die Jury einen weiteren US-Journalisten. Dies ist Michael Giglio für seinen für die Frankfurter Allgemeine während des Burns-Fellowships 2008 verfassten Beitrag „Americans deported to Frankfurt“. Die Arbeit des Autors ist vor allem in zweierlei Hinsicht überzeugend: bei der Wahl des Themas und in der Sprache. Mit der Beschreibung des Schicksals von in Deutschland gestrandeten Amerikanern, die von den USA ausgewiesen wurden, nimmt sich Giglio in einer ungewöhnlichen, aber immer präzisen Sprache einem Thema an, dass auch in der deutschen Presse bislang nur selten beschrieben worden ist.
Der mit 2.000 Euro dotierte Preis für den besten deutschen Beitrag geht an Michael Weißenborn, außenpolitischer Redakteur der Stuttgarter Zeitung, für seine Artikelserie „Texas Privat“, erschienen in der zweiten Jahreshälfte 2007 in 20 Teilen. Weissenborn beschäftigt sich in den einzelnen Beiträgen mit so unterschiedlichen Themen wie der Grenzsituation zu Mexiko, dem privaten Waffenerwerb, Indianerreservaten sowie dem amerikanischen Weihnachtsfest. Diese Betrachtungen sind dabei mehr als nur Vignetten, sondern in ihrer persönlichen Herangehensweise bemerkenswerte Essays und zugleich oft tiefsinnige politische Analyse der US-Gesellschaft, ihrer Traditionen und Herausforderungen.
Der mit ebenfalls 2.000 Euro dotierte Preis für den besten amerikanischen Beitrag geht in diesem Jahr an den US-Journalisten James Hagengruber, bis vor kurzem Redakteur der Tageszeitung Spokesman Review in Spokane, Bundesstaat Washington. Hagengruber veröffentlichte eine inhaltlich gleiche Reportage sowohl in seiner Heimatzeitung als auch in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Boom! Du bist tot!“ (6. November 2007). Darin begleitet er 19-jährige Zwillingsbrüder aus Idaho auf ihrem Weg, US-Marines zu werden. Dieses aufwändige Projekt zeigt mit einer klaren Sprache und einer hervorragenden sowie heutzutage sehr seltenen Recherche, was – entgegen des allgemeinen Trends und der öffentlichen wie veröffentlichten Meinung –, junge Amerikaner am Irak-Krieg so fasziniert, dass sie selbst daran teilnehmen wollen. Trotz des Titels zeichnet die Reportage ein sensibles Portrait zweier junger Amerikaner am Scheideweg: eine schlichte, aber sehr eindrucksvolle Reportage-Idee, die ihre journalistische Fortsetzung darin findet, dass der Autor die beiden Brüder auch bei ihrem militärischen Einsatz als Marines in Kuwait und dem Irak begleitet hat.
Lobend erwähnen möchte die Jury Christian Rüttger, Berliner Redakteur bei Reuters, für seinen Beitrag „The Long Haul“, erschienen in der Anchorage Daily News am 14. Oktober 2007, und Tanya Schevitz, Reporterin beim San Francisco Chronicle, für ihre Artikelreihe „Eine Amerikanerin im Allgäu“, erschienen im August und September 2007 wöchentlich in der Allgäuer Zeitung. Während Rüttger sich in seinem Beitrag mit den Gefahren und Versuchungen der LKW-Fahrer entlang des 414-Meilen langen Dalton Highways in den Tiefen der Tundra Alaskas beschäftigt, beschreibt Schevitz in neun Episoden ihre Eindrücke als alleinerziehende Mutter, Großstadtkind und passionierte Autofahrerin in den ländlichen Weiten des Allgäus. Bemerkenswert ist an beiden Beiträgen die öffentliche Diskussion, die sie bei den Lesern der jeweiligen Zeitungen auslösten. Beide Autoren stimulierten intensive Debatten vor Ort, die in zahlreichen Leserbriefen und Emails ihren Niederschlag fanden. Dies ist umso interessanter, als beide ortsfremd und daher unbefangen über regionale Traditionen und Tabus geschrieben haben.
Downloads:
Jacob Heilbrunns Artikel-Serie "Texas Privat" (20 Artikel) (.pdf, 4,3 MB)
aus der Wochenendbeilage der Stuttgarter Zeitung
Artikel "Boom! Du bist tot!" von James Hagengruber (.pdf, 0,15k)
erschienen bei jetzt.de (Süddeutsche Zeitung)
Artikelserie "Eine Amerikanerin im Allgäu" von Tanya Schevitz (.pdf, 1,4 MB)
erschienen in der Allgäuer Zeitung
Der 2006 mit 2.000 Euro dotierte Preis für den besten deutschen Beitrag geht an Dr. Markus Günther, Korrespondent der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in Washington, für den Beitrag „Kriege ohne Sieger“, veröffentlicht am 8. August 2006 in der Badischen Zeitung und anderen deutschen Zeitungen. Günther warnt in seinem Beitrag militärisch überlegene Staaten vor den Gefahren militärischer Erfolge. Die Annahme, schnelle militärische Erfolge erzielen zu können, führe dazu, das auch von militärisch weit unterlegenen Gegnern ausgehende Risiko zu unterschätzen. Dies ist, spätestens seit Vietnam, nicht neu. Günther jedoch zeigt auf, dass die moderne „asymetrische Kriegsführung“ weit über Guerillataktik hinausgeht, alle, auch zivile Lebensbereiche in Kriegshandlungen einbezieht und damit schnell zu einem unkalkulierbaren Risiko wird. Das erwartete schnelle Kriegsende wird verhindert, der militärische Sieg insgesamt unmöglich. Die Kriegsziele bleiben unerreichbar. Auch wenn sich Günther auf jüngste militärische Auseinandersetzungen im Irak, Afghanistan und Libanon bezieht, drückt seine These eine europäische Erfahrung aus, die letztendlich zur europäischen Einigung im vergangenen Jahrhundert geführt hat. Zudem ist die transatlantische Debatte derzeit wesentlich durch Fragen der militärischen Überlegenheit geprägt. Der Beitrag stellt auch einen interessanten Versuch einer Versachlichung dieser Debatte aus europäischer Sicht dar.
Lobend erwähnen möchte die Jury die gemeinsam geschriebene, dreiteilige Artikelserie des deutschen Journalisten Dr. Ranty Islam, Deutsche Welle, und der US-Journalistin Crista Case, Christian Science Monitor, zur Entwicklung der Treibhausdebatte und der Emissions-Problematik auf beiden Seiten des Atlantiks, veröffentlicht in Spiegel Online am 9. August 2006.
Die Jury hat zudem entschieden, dass der mit ebenfalls 2000 Euro dotierte Preis für den besten amerikanischen Beitrag in diesem Jahr nicht verliehen wird.
Die Preisträger vor 2006 sind:
Hier erhalten Sie weitere Informationen zu den früheren Preisträgern des Arthur F. Burns Preises.