ERFAHRUNGSBERICHTE 2006
Wisdom N. Chimgwede
REPORT
You would recall it all started with your letter inviting me to Germany after a successful application. It gave a great feeling. I also remember that rainy Sunday when I arrived in Berlin at the start of the programme.
I must say from the on set that I enjoyed almost all slots in the opening conference. Talk of the Pharmaceutical talk, Mercedez Benz, Mr. Green, the visit to the museum and all that. It was a great organisation. The accommodation at Suite Hotel and the parties that ensued in the aftermaths. It was all cool. I also remember that day, June 2, when you were supposed to slot us into different newsrooms. I shivered down my spine because I did not quite know where I was going and what I was going to meet. But I was confident I would work.
Thanks the good heavens – when I arrived at Deutsche Welle, the warm welcome from the man Peter Zimmermann, Hardy, Uve and Stefan was all but a relief. I immediately felt welcome at home and eased my integration into the system. The next thing at DW was to be schooled on the equipment. Stefan did the magic. It was great and I got started and immediately felt integrated into the system.
The Fifa Football world cup was even the best advantage. It took me right into the system with my reports and some that I co-authored with Peter. No wonder, I managed within a short while to win the hearts of editors at DW headquarters in Bonn.
While in Berlin, I did a number of feature reports for programmes like News Link Africa, Africa in Focus, World in Progress and Cool. Peter Zimmermann was particularly a darling among them all – making sure that I have a chance in the studios.
That aside, I must say that generally the organisation of the programme was cool. The tour to Humburg, Bonn, Coln and Munchen was a great experience and school. I help me when I was assigned to do documentary on my stay in Germany and what I thought of Germans on DW. Memories of the harbour in Humburg, the beer Garden in Munchen the visit to DW studios and many other are still fresh and always echoing in my mind.
It was a great experience and quite schooling. Nonetheless, I had few problems with the arrangement of having people to pay for their own accommodation after their arrival. I would rather the programme scouts and pays for accommodation way before giving out the stipends so the fellows simply receive the remainder. This however is not to mean that Hohensollendamm was a bad choice. No. Rather it was expensive probably because it was a last minute choice.
That notwithstanding, the choice of the location helped me easily get married into the Germany transport systems and what have you. Names like Hohensollendamm, Weskreuz, Charlottenburg, Zoologechergarten, Tiargarten, Belluve and Hoptbahnoff still echo high in my mind. The plan to leave people alone is quite good. It helped me plan my own days, conduct researches and many more.
My stay in Germany was quite schooling. The cultural diversity, the language problems taught me how best to stay with people other than those you know. DW internship changed me. I came back to Malawi a different Radio journalist. But my biggest concern is on one thing. This programme is supposed to be an exchange between Southern African Journalists and colleagues from Germany.
But it dawned on me that it is rather between South Africa and Germany. Next time I would rather you as organisers guide fellows especially those from Germany that Southern Africa does not mean Cape Town for example. It was do the programme good if fellows from Germany are spread across the region. In so doing, they would be able to learn what Africa is all about. I wouldn’t call Cape Town “truly African” and that does not give the fellows an opportunity to research into realities.
But all in all, I say thumbs up IJP.
Kai Feldhaus
Man könnte jetzt natürlich sagen, dass Alice Buckley ihrer Zeit voraus war. Die Ziffern der Uhr am Armaturenbrett ihres alten Golfs leuchteten „21:00“, dabei war es 9 Uhr morgens. „Irgendwie sind a.m. und p.m. vertauscht“, sagte Alice und lächelte. „Oder ich arbeite so schnell, dass die Zeit rückwärts läuft.“
Menschen wie die Fotografin Alice waren es, die das Stipendium in Kapstadt zu dem machten, was es war: eine einmalige Erfahrung mit nachhaltigen Ergebnissen. Denn neben den Eindrücken von zwei Monaten Korrespondenten-Arbeit in einer der spannendsten Städte der Welt bleiben vor allem: Kontakte, Kontakte, Kontakte. Fotografen, Texter, Freunde vor Ort und unter den Mit-Stipendiaten – nicht nur im Hinblick auf die WM 2010 (und die nächsten journalistischen Reisen ans Kap), sondern auch für redaktionsübergreifendes Arbeiten in Deutschland hat sich das Stipendium mehr als gelohnt. Ein BILD-Redakteur, befreundet mit einer Tagesspiegel-Redakteurin? IJP macht`s möglich.
Lang und breit ließe sich davon schwelgen, wie viel Spaß es macht, zwei Monate lang eigenen Geschichten nachzugehen, ohne dabei in der täglichen Tretmühle des Terminjouranlismus und des „Das-muss-aber-gemacht-werden“ gefangen zu sein. Spannender aber dürfte es sein, die Probleme zu schildern, die sich unerwartet ergaben.
Die Frage des Abdrucks.
In meinem Bewerbungsschreiben für das Stipendium gab ich an, mich dafür einsetzen zu wollen, dass dem Thema (Süd-)Afrika mehr Platz in meiner Zeitung eingeräumt wird, weil der gesamte Kontinent in deutschen Medien unterrepräsentiert ist. Daran muss ich mich messen lassen. Nach zwei Monaten muss ich einsehen: Ich bin gescheitert. Auch wenn der Anteil an Geschichten aus Afrika über Afrika während meiner Zeit in Kapstadt größer war als gewöhnlich, so blieb ich doch hinter meinen eigenen Erwartungen zurück. Zukünftige Stipendiaten sollten nicht unterschätzen, wie schwierig es ist, eine Redaktion von der Relevanz einer Geschichte zu überzeugen, wenn man sie aus 8000 Kilometer Entfernung nur telefonisch anpreisen kann. Dies gilt vor allem, wenn man für eine Boulevardzeitung arbeitet.
Die Frage der Mitarbeit.
Die „Daily Voice“ gibt es erst seit etwas mehr als einem Jahr, ich war der erste Stipendiat bei der Boulevardzeitung, es gab also vorher keine Erfahrungswerte. Die Vorteile: Das Team ist jung, engagiert, sehr kreativ und hilfsbereit. Ich hatte Gelegenheit, Reporter in die Cape Flats zu begleiten, in Gegenden, die ich nicht allein hätte besuchen können. Der Hauruck-Journalismus, mit dem die Redakteure die Zeitung unter größtem Zeitdruck zusammenstellen, die Leserbindung (der größte Teil der Geschichten kommt aktiv über Anrufe der Leser), die völlige Freiheit bei kreativen Schlagzeilen („Jesus is living in my toilet“, „Flying dog“) und der absolute Verzicht auf eine stoffliche Mischung des Blattes (90 Prozent Verbrechen) – all das sind Dinge, die sich nicht eins zu eins auf deutsche Medien übertragen lassen, immerhin aber zum Nachdenken anregen.
Die Nachteile: Die „Daily Voice“ wird zu fast 100 Prozent in der coloured community der Cape Flats gelesen. Durch die enge Bindung der Reporter an die Leser und den eingeschränkten Platz im Blatt ist es nahezu unmöglich, eigene Geschichten und Ideen in der Zeitung unterzubringen. Das heißt: Als Stipendiat kann man zu- und mitarbeiten, allerdings kaum eigenständig arbeiten.
Ein Fazit? Südafrika ist ein Land, in dem und über das sich journalistisch zu arbeiten lohnt. In kaum einem anderen Land ist es so spannend, das Wachstum einer jungen Demokratie mit allen Problemen und Schwierigkeiten vor Ort zu beobachten. Es lohnt sich, Teil und journalistischer Begleiter dieser Entwicklung zu sein, die kleinen, feinen Dinge herauszuarbeiten und so zu verpacken, dass Redaktionen und Leser in Deutschland Interesse daran entwickeln. Ich werde wiederkommen, nicht als Tourist, sondern als Journalist. Ganz bestimmt.
Sicherheit.
Probleme des Abdrucks.
Alexander Göbel
Kapstadt/Südafrika: 28.8. – 17.10.2006
Cape Town – Südafrikas Mother City – was für eine Stadt. Ein einziger schillernder Widerspruch, ein Versprechen, das es täglich neu einzulösen gilt: Tafelberg, V&A Waterfront, Camps Bay, Kap der Guten Hoffnung, Garden Route, Weingüter und Golfplätze auf der einen Seite, Townships, Armut, Analphabetismus und AIDS auf der anderen. Kapstadt ist reich an Schönheit und an Kontrasten, und es ist besonders wichtig, den richtigen redaktionellen Zugang zu finden, wenn man als sozialpolitisch und kulturell orientierter Journalist aus Deutschland für gerade einmal zwei Monate in diese Stadt eintaucht – und sich ihren Problemen, ihren schönen und traurigen Seiten aussetzt. Diesen Zugang habe ich bei Bush Radio 89.5 FM (www.bushradio.co.za) auf der Main Road gefunden, denn dieses community radio zwischen dem Studentenviertel Observatory und dem heruntergekommenen Coloured-Stadtteil Salt River repräsentiert eben genau diese Vielseitigkeit und Zerrissenheit der Stadt-Gesellschaft und den ständigen mühsamen Kampf um das Gelingen des Projekts der Rainbow Nation.
Hier war ich als in-house reporter voll in das Redaktionsteam und wichtige Entscheidungsprozesse eingebunden. Ich habe moderiert, recherchiert, bei der Ausbildung der Praktikanten assistiert und vor allem Beiträge für verschiedene Sendungen produziert (u.a. für Building the Nation, die Mittags-Informationssendung, für das Nachrichtenmagazin Newsline, die Regional-Sendung Backchat und verschiedene Kultursendungen). Die Themenpalette entsprach der sozialen Ausrichtung des Senders, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Sprachrohr der community in den Cape Flats zu sein (werbefrei, politisch unabhängig und „gegen den Strich gebürstet). Besonders wichtig in der Berichterstattung war die Serie von zahlreichen organisierten Morden an somalischen Einwanderern und Händlern in den Townships – ein Thema, das auf den erste Blick nur regionale Bedeutung hat, aber durchaus landesweite Dimensionen aufzeigt: Denn recherchiert man etwas genauer und vergegenwärtigt man sich insbesondere die Politik der Provinzregierung des Western Cape, die sich lobt, „a home for all“ zu bieten, ein Zuhause für alle - egal ob schwarz, weiß, coloured, eingewandert, asylsuchend, europäisch, afrikanisch -, dann offenbart sich eine der großen Schwierigkeiten dieser Post-Apartheid-Gesellschaft: nämlich das bereits oben genannte Versprechen auch einzulösen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Sie hängen natürlich noch immer, auch 13 Jahre danach, mit dem Trauma der Apartheid zusammen. Aber eben auch mit der Politik des übermächtigen und bisweilen selbstgefälligen ANC, der alle Lebensbereiche durchdringt.
Reibungen gibt es in dieser gespaltenen Gesellschaft durch die nach wie vor existierenden - und vielleicht sogar größer werdenden – Risse zwischen extremen ökonomischen Ebenen von Armut und Wohlstand, zwischen Schwarz und Weiß, aber auch zwischen black und coloured. Armut und Chancenungleichheit habe ich als Themen in einigen Beiträgen verarbeitet, z.B. bei Reportagen über Jugendliche, die durch professionelle Förderung aus dem Township „tanzen“, und über solche, denen die Sucht nach der Modedroge Tik alle Zukunftsperspektiven verbaut, die sie allerdings auch ohne die Droge nicht hätten.
Auch die staatlich verordnete Politik des Black Economic Empowerment birgt Risiken. Zu beobachten ist eine Abkoppelung von Schwarz und Weiß, die staatliche Förderpolitik trägt nicht immer dazu bei, die Gesellschaft zu einen. Es gab zahlreiche Beispiele, an denen sich symptomatisch erklären ließ, wie die konsequente Durchführung des BEE sozusagen „das Kind mit dem Bade ausschüttet“. Letzten Endes auch ein Indiz dafür, wie sehr das System der Apartheid der Gesellschaft geschadet hat. Wie sehr Südafrika nach wie vor an diesem Trauma leidet, bricht im Alltag an vielen Stellen unter der Oberfläche hervor – und doch lässt sich der soziale Fallout nur erahnen.
Viele dieser Geschichten habe ich in Variationen und natürlich für eine internationale Hörerschaft überregional aufbereitet. So konnte ich viele Themen meinen Heimatredaktionen bei Deutsche Welle Radio anbieten und produzieren. Erfreulicherweise ist aus dieser Arbeit und den Kontakten zur HOPE-Stiftung, zur Virologie der Universität Stellenbosch, zur Treatment Action Campaign (TAC) und anderen Organisationen ein 20minütiges Feature zum Thema AIDS entstanden (Kampf gegen den stillen Feind – Südafrikas verfehlte AIDS-Politik), das die Deutsche Welle zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember 2006 gesendet hat und das gerade bei der Deutschen AIDS-Stiftung im Medienwettbewerb eingereicht wurde.
Natürlich habe ich den journalistischen Blick auch bereits auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gerichtet – und Beiträge über die Stadien - Diskussion produziert, aber auch zum Thema Sicherheit und Tourismus. Ein erfreulicher Testlauf war hierfür der Homeless Soccer World Cup auf der Grand Parade mitten in der Stadt. Kulturelle Themen kamen ebenfalls nicht zu kurz: Der Heritage Month, in dem Südafrika sein kulturelles Erbe der letzten Jahrhunderte feiert, gipfelte im Heritage Day, mit Reden von Thabo Mbeki und zahlreichen Ausstellungen (u.a. zum musikalischen Vermächtnis Südafrikas von der Musik der Khoi und San bis hin zum Jazz), und der großartigen Premiere des Cape Town Jazz Orchestra mit Abdullah Ibrahim und seinem Trio. Höhepunkte waren des Weiteren die Steve Biko Memorial Lecture von Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu an der Universität Kapstadt, ein Besuch des Musicals „Umoja“, zahlreiche Einblicke in die alternative Musik- und Theaterszene des jungen Kapstadt - und natürlich in die große Welt des Weins.
Alles in allem – das zeigt die Palette der Beiträge, das zeigen aber auch die Einträge ins private Tagebuch - ein facettenreicher Aufenthalt, eine zeitlich komprimierte und zum Teil sehr emotionale Achterbahnfahrt durch die widersprüchliche und wunderschöne Welt dieses kleinen Universums am Kap der Guten Hoffnung. Binnen kurzer Zeit habe ich nachhaltige Kontakte knüpfen können, Freundschaften entstanden ebenso wie Ideen für weitere Recherchen und Geschichten.
Wahrheit – das ist das, was der Mensch nicht ändern kann, sagt Hannah Arendt. Was ist dann Wahrheit in diesem schillernden Kapstadt, und was ist Illusion? Auch wenn es darauf keine absolute Antwort geben kann, möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich beim IJP für die großartige Gelegenheit bedanken, diese Achterbahnfahrt journalistisch nachvollziehen zu dürfen. Ich würde jederzeit wieder einsteigen.
Yazeed Kamaldien
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Esther Kogelboom
Südafrika mit dem IJP 2006 / 2007
Die Nachricht, dass ich mit dem IJP nach Südafrika darf, erreichte mich vollkommen überraschend. Nein, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet – ich hatte meine Bewerbung in buchstäblich letzter Sekunde in Bonn bei der Deutschen Welle abgegeben. Und umso mehr habe ich mich gefreut, dass es klappen sollte.
Es war toll, bei der perfekt organisierten Einführungstagung in Berlin die afrikanischen und deutschen Kollegen kennen zu lernen. Die Vorträge, die wir hören konnten, habe mir einen ausgezeichneten Überblick verschafft – nicht zu vergessen ist sicher auch das private Engagement von Herrn Green vom Auswärtigen Amt und seiner Frau, die unsere Gruppe zum Kaffee und Kuchen zu sich nach Hause eingeladen haben.
Ich bin Anfang November 2006 nach Kapstadt geflogen, um mir die Redaktion der Cape Times anzuschauen. Dass ich dort unterkommen konnte, ist einzig und allein Wolfgang Drechsler, unserem Tagesspiegel-Korrespondenten vor Ort, zu verdanken, der sich sehr für mich eingesetzt hat. Es war unglaublich interessant, zu erleben, wie die Cape Times arbeitet. Ich habe an vielen Konferenzen teilgenommen und die Reporter zu Terminen begleitet – auf diese Weise habe ich mich relativ schnell in Kapstadt zurecht gefunden. Ein Höhepunkt war, Erzbischof Desmond Tutus Besuch in einem Township miterleben zu dürfen. Dann habe ich mich verstärkt um meine eigenen Geschichten für den Tagesspiegel gekümmert. Bei den Recherchen haben mich die Kollegen von der Cape Times immer wieder mit Telefonnummern und wertvollen Tipps unterstützt.
So war ich beispielsweise in Johannesburg, um das Soweto-Derby im FNB-Stadion anzusehen und Interviews mit dem damaligen Kaizer-Chiefs-Trainer Ernst Middendorp und mit dem Chef der südafrikanischen Premier League, Trevor Philipps, zu führen. Für den Sportteil des Tagesspiegels habe ich eine Seite über den Stand der Vorbereitungen zur Fußball WM 2010 geschrieben, nachdem ich wertvolle Kontakte zum lokalen Organisationskomitee knüpfen konnte.
Für unseren Reiseteil war ich auf Safari im Eastern Cape – für mich persönlich mit Abstand das Aufregendste, was ich seit langem erlebt habe. Schließlich bin ich nach Orania gefahren, ein Dorf in der Nähe von Kimberley, in dem Weiße versuchen, die Rassentrennung weiter zu leben. Ich kann nur sagen, dass es sich gelohnt hat, vor der Abreise intensiv Afrikaans zu lernen. Die Sprache hat mir Tor und Tür geöffnet.
Ich habe mir fest vorgenommen, auch ein paar Brocken Xhosa zu lernen. Mein Vorbild (jedenfalls, was das Lernen von Fremdsprachen betrifft) ist die Kapstädter Bürgermeisterin Helen Zille, die ich porträtiert habe und die alle elf offiziellen südafrikanischen Sprachen fließend spricht.
Ferner habe ich über einen jungen Koch geschrieben, der ein Ausbildungsstipendium an der Chefs Academy in Kapstadt bekommen hat. Er hat mir seine Nachbarschaft in dem Township Khayelitsha gezeigt. Für mich war es das erste Mal, dass ich auf eigene Faust dorthin gefahren bin. Ich bin im Laufe meines Aufenthaltes immer mutiger geworden. Die Zeit ist einfach wahnsinnig schnell vergangen.
Ich muss sagen, dass das Ausmaß der Kriminalität und der Gewalt mich die ersten Wochen meines Aufenthaltes etwas lahm gelegt hat – vor allem, nachdem jemand versucht hat, in meine Wohnung einzubrechen und mir später Geld und Telefon geklaut worden sind. An das Gefühl, sich gerade als Journalistin nicht hundertprozentig frei bewegen zu können, musste ich mich erst gewöhnen. Erst, als ich mich mit meinem Mietwagen in Johannesburg nicht mehr ständig verfahren habe, hatte ich den Eindruck, mich langsam einzuleben.
In meiner wöchentlichen Kolumne im Tagesspiegel am Sonntag habe ich viel über den Alltag in Südafrika geschrieben, der mich tief beeindruckt und meine Sicht auf Deutschland relativiert hat.
Ich möchte nicht schließen, ohne die IJP-Stipendiaten Kai Feldhaus von „Bild“ und Charles de Olim vom „Star“ zu erwähnen. Wir sind Freunde geworden. Es war ganz sicher nicht das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben.
Ich hatte vorher noch nie länger im Ausland gearbeitet, und das IJP hat es mir ermöglicht, diesen Traum zu verwirklichen. Es stimmt: Der Blick verändert sich, wenn man reist. Vielen Dank für diese einmalige Chance.
Berlin, im März 2007
Eva-Maria Magel
Abschlußbericht des Stipendienaufenthaltes in Kapstadt, Südafrika mit dem Programm „Südliches Afrika“ der Internationalen Journalisten-Programme von 18. August bis 19. Oktober 2006
I. Vorbereitungsseminar in Berlin
Nach der ersten Freude – über die Zusage eines IJP-Stipendiums in Südafrika – hatte offensichtlich nicht nur ich große Freude an dem Vorbereitungsseminar, das sowohl die deutschen als auch die afrikanischen Kollegen von 30. Mai bis 2. Juni 2006 zusammenführte. Das informative und sehr facettenreich zusammengestellte Programm mit Referenten aus Politik und Wirtschaft, die IJP verbunden sind, bis hin zu den Vorbereitungen der Fußball-Weltmeisterschaft gab allen Teilnehmern Anregungen für ihre jeweiligen journalistischen Aufenthalte. Vor allem die Begegnung mit dem südafrikanischen Botschafter Moses Chikane, aber auch ein „fremder“ Blick, zusammen mit den afrikanischen Kollegen, auf das eigene Land eröffneten neue Zugänge.
Ganz abgesehen davon fand sich die Gruppe schnell zusammen und tauschte Adressen, Kontakte und Themenanregungen aus. Dass zwei der südafrikanischen Teilnehmer, Charles de Olim (Johannesburg) und Yazeed Kamaldien (Kapstadt) während meines Aufenthaltes in Kapstadt Kollegen bei Independent Newspapers sein würden, konnte ich damals noch nicht wissen. Bis dahin war Charles de Olim zum Koordinator des überregionalen Kulturteils „Tonight“ geworden, Yazeed Kamaldien wurde Redaktionsmitglied in Kapstadt und nahm mich häufig mit, wenn er über die Kulturszene Kapstadts berichtete.
II. Suche nach Gastredaktion und Unterkunft
Mit Wolfgang Drechsler, der als Afrika-Korrespondent unter anderem beim „Handelsblatt“ tätig ist, lebt eine Art Mentor für die Teilnehmer des Programmes in Kapstadt, der aber auch viel im restlichen (Süd-) Afrika unterwegs ist. Das erwies sich als überaus hilfreich. Wenngleich die Menge an Anfragen junger Journalisten, die auf den Kollegen einstürzen, zuweilen etwas überhand nehmen dürfte: Herr Drechsler hat sich mit ungeheurer Großzügigkeit nicht nur um unsere „Generation“ von IJP-Stipendiaten gekümmert und dabei viel Zeit investiert.
Meine ersten Anfragen bei Tageszeitungen und Magazinen in Kapstadt liefen ins Leere. Ich erhielt nicht einmal eine Eingangsbestätigung meiner Mails, geschweige denn eine positive Antwort auf meine Anfragen, als Gastjournalistin arbeiten zu dürfen. Als ich Herrn Drechsler mailte und dabei von den Misserfolgen berichtete, vermittelte er den direkten Kontakt zur Chefredaktion des „Cape Argus“. Dieser, oder vielmehr der stellvertretende Chefredakteur Joseph Aranes, nahm mich dann für die Zeit vom 23. August bis 18. Oktober in seinen Newsroom auf.
Die Wohnungssuche gestaltete sich dank einiger Internetplattformen weniger aufwendig. Das dürfte sich im Zuge der Weltmeisterschafts-Vorbereitungen schwieriger gestalten, vielleicht sollten künftige Stipendiaten daher früher mit der Suche beginnen. Dass ich dann aber statt in einer studentischen Wohngemeinschaft in einer netten Wohnung am Fuße des Tafelbergs, in Gardens, landete, habe ich wiederum Wolfgang Drechsler zu verdanken, dessen Bekannte, eine deutsche Rundfunkjournalistin, jemanden suchte, der für zwei Monate ihre Wohnung samt Katze hütete. Es war ein Glücksfall.
III. Gastaufenthalt bei „Cape Argus“ und Arbeit für die Heimatredaktion
Nachdem ich dem Chefredakteur Chris Whitfield und Joe Aranes einen Antrittsbesuch abgestattet hatte, konnte ich noch einige Tage nutzen, um mich in Kapstadt zu akklimatisieren und das interne Bus-Transportsystem des „Cape Argus“ zu erproben. Dann landete ich im Newsroom des Independent Newspaper Buildings an der St Georges Mall im Herzen von Kapstadt, wo man an ausländische Gäste gewöhnt ist. Von Beginn an signalisierte die Redaktionsleitung, dass man deren „fremden Blick“ auf die heimische Politik, Gesellschaft und Kultur, der sich in den Texten niederschlage, schätze.
Die Ausländer hingegen verbringen, nicht nur der Sprache wegen, einige Zeit damit, sich an die Arbeit in dem riesigen Nachrichtenraum zu gewöhnen. Oft liefern einzelne Schreiber nur Rudimente eines Textes, an dem viele um- und umschreiben. Der Druck des Nachmittagsblattes mit drei Ausgaben ist enorm: Geschrieben wird rund um die Uhr, in drei Schichten. Ich durfte in der glimpflichsten Schicht, von acht Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags, arbeiten. Glimpflich auch, weil es dann bei Dienstschluss noch so früh am Tag war, unbehelligt durch die Innenstadt zu gehen, was nach 18 Uhr eine gewisse Herausforderung darstellt (ein Kollege von der im gleichen Gebäude und sogar Nachrichtenraum ansässigen „Cape Times“ wurde an einem Abend auf dem Weg zu seinem Auto gleich zweimal überfallen).
Der relativ frühe Dienstschluss für die Gastgeber ermöglichte es auch sehr gut, Themen für die Heimatredaktion zu recherchieren. Vom ersten Tag an waren so mindestens kleine Meldungen möglich, oft über Themen, die ich auch für den „Argus“ bearbeitete. Größere Texte folgten rasch, zumal ich bald stunden-, gegen Ende auch tageweise, die Arbeit für meine eigene Redaktion in den Vordergrund stellte. Dafür hatten die Nachrichtenchefin und die Chefredaktion auch volles Verständnis – was nicht selbstverständlich ist. Dass die Ressorts in der Heimatredaktion für fast jeden Themenvorschlag offenbar waren, stellte einen ebensolchen Glücksfall dar: Im Immobilienteil habe ich seit dem Volontariat nicht mehr geschrieben – und zufällig wurde während meines Aufenthaltes die Waterfront verkauft…
In der ersten Zeit konzentrierte ich mich jedoch auf das Erlernen der redaktionellen Gepflogenheiten des „Argus“ und der englischen (Zeitungs-) Sprache. Beide unterscheiden sich sehr deutlich von meiner Arbeit in Deutschland, zumal das (morgens erscheinende) Konkurrenzblatt des nachmittäglichen „Argus“ nur durch einen Teppichstreifen getrennt im selben Saal arbeitet! Auch die Faustregel „one sentence is one paragraph“ musste erst gelernt werden.
Die Themen waren, obgleich das überregional erscheinende Feuilleton „Tonight“ mich sogleich als Rezensentin anwarb, von meiner üblichen Arbeit als Kulturredakteurin sehr verschieden. Auch das machte viel Spaß, brachte neuen Schwung und neue Einblicke, vor allem, was Politik und Wirtschaft anging. Zumal viele Termine für den „Argus“ mich, in Begleitung der Fotografen oder mit einem Fahrer, auch in jene Ecken Kapstadts führten, die mir alleine, und zumal als Frau alleine, sonst unbekannt geblieben wären. Vieles davon hat mich zu Texten für die FAZ angeregt, etwa die aktuellen Debatten in Kapstadt zu einem Text über die synthetische Droge „Tik“.
Nichtsdestotrotz landete ich beim „Argus“ schnell bei den Features, größeren Texten, die kulturelle oder gesellschaftliche Themen behandelten. Insgesamt ist so eine kleine Sammlung von englischsprachigen Artikeln entstanden. Währenddessen wuchsen auch die Themen für die FAZ, wenngleich ich von den ursprünglich projektierten nur eines genau so auch geschrieben habe: Die Reportage über die Township-Ballettschule „Dance for all“. Dafür aber entdeckte ich andere Themen, die mir ebenso interessant, wenn nicht interessanter, erschienen wie jene, die ich aus den Erfahrungen meiner ersten beiden Südafrika-Aufenthalte heraus und aufgrund meiner Vorrecherchen bei der Bewerbung angegeben hatte. Ich nehme an, das geht den meisten Stipendiaten so – es wäre ja auch ungewöhnlich, wenn sich das Interesse eines Journalisten nicht wandeln würde, im direkten Kontakt mit der Sache.
Was sowohl in der Arbeit für die FAZ als auch für den „Argus“ zunächst Schwierigkeiten bereitete, war die von Deutschland so unterschiedliche Haltung auch professioneller Medien- und PR-Arbeiter Journalisten gegenüber. Eines Gesprächspartners habhaft zu werden, konnte zuweilen einige Tage in Anspruch nehmen. Zumal bei so heiklen Themen wie den Zeitverzögerungen beim Bau der Stadien für die Fußballweltmeisterschaft oder ähnlichem. Bei diesen Themen, an denen oft auch ein südafrikanischer Kollege saß, der natürlich viel mehr Kontakte hatte als ich, konnte ich feststellen, dass es auch den Einheimischen nicht anders erging: Das Recherchieren von komplexeren Sachverhalten gestaltet sich oft sehr mühsam. Nach einiger Zeit stellt man sich auf derlei Hindernisläufe ein und nimmt Umwege in Kauf, die unter Umständen schneller zum Ziel führen.
Dass zur selben Zeit, in der ich beim „Argus“ gastierte, auch der IJPStipendienkollege Alexander Goebel von der Deutschen Welle in Kapstadt bei „Bush Radio“ arbeitete, erwies sich ebenfalls als glückliche Fügung. Denn wir konnten uns über derlei Schwierigkeiten austauschen, zuweilen auch unterstützen. Bis auf wenige Ausnahmen waren die einheimischen Kollegen eher reserviert. Nichtsdestotrotz ergab sich nach einiger Zeit auch da ein Austausch, in der Redaktion und zuweilen sogar bei einem After-Work-Bier. Oft erwiesen sich Nicht-Journalisten als offener gegenüber dem schreibenden ausländischen Gast – auch das gab vielfältige Einblicke und Anregungen zum Nachdenken und Schreiben. Manche Texte wären ohne derlei Gespräche gar nicht entstanden.
IV. Zusammenfassung
Der Aufenthalt in Kapstadt hat mir neue Horizonte eröffnet - nicht nur, wenn ich, an den freien Wochenenden, mit einer Wandergruppe südafrikanischer Studenten auf den Tafelberg oder andere Berge kletterte und auf die herrliche Landschaft blickte...
Für diese Möglichkeit, als Journalistin und als Mensch ungeheuer viel zu lernen, bin ich den Internationalen Journalisten Programmen zutiefst dankbar.
Es war eine großartige Sache, in einer englischsprachigen Zeitung völlig anderen Zuschnitts ganz neue Erfahrungen im doch schon recht vertrauten Beruf zu sammeln. Dazu kam die Möglichkeit, das Englische zu pflegen und im täglichen schreibenden Einsatz auszubauen, sich in einem fremden Umfeld als „Korrespondentin auf Zeit“ zu bewähren.
Das Wichtigste aber: Mein Bild von Südafrika hat sich in vielem gewandelt. Meine Kenntnisse über das Land, seine Geschichte und Gegenwart haben sich vertieft. Dies alles bereichert bis heute meine tägliche Arbeit. Immer wieder entstehen Texte, die sich aus dieser Erfahrung, aus den dort gewonnenen Erkenntnissen und Kontakten speisen. Es ist noch lang kein Ende in Sicht – aber natürlich muss ich unbedingt bald wieder nach Südafrika fahren, zur Auffrischung.
Frankfurt, am 19. Februar 2007
Eva-Maria Magel
Augustine N. Mukoka
IJP Fellowship Report
Having embarked on a 60-day stay in Germany, a territory virtually unfamiliar to me yet an interesting historical destination for all will remain one of the most exciting moments of my career.
On Sunday, May 31 2006, I arrived in the German capital Berlin – a city once divided by war – provided lots of thoughts on the expectation during the programme. It is worth noting that the first part of the programme, which included an array of introductory sessions with sponsors of the event was a must host.
In this aspect, I was enlighten about how much work goes into hosting such a programme and indeed the fact that I needed to know the dos and don’ts of the territory I was about to spend 60 days in. The initiative to bring participants together under one room, from Africa and Germany in a bid to bring individuals of different backgrounds to the same table was equally commendable. Commendable in the sense that the 10 participants were able to share experiences and brief backgrounds about their specific situation before being released into the field to become one family regardless of which part of the country they were posted.
Much as it was difficult to get me a placement in Berlin, I was determined to be part of any set up. And when the Taz accepted to host me at shot notice, I felt humbled and could not wait to be part of the German newsroom considering the background of the newspaper. The day approached when I finally had to report at the Taz and I must hasten to say, madam Doris Benjak gave me a warm welcome introducing me to a cross range of journalists including Gabby Zoe.
Well, it is understandable that not all individuals would be, as welcoming but the fact that a conducive atmosphere in which I could operate was created emerged sufficient to me. Interestingly, I arrived in a Germany a week before the country hosted the World’s biggest sporting event – 2006 FIFA World Cup – and my attachment to the Taz came at an opportune time.
Almost immediately, I was asked to join a sports team that was created to work on a special publication for the World Cup. What a challenging moment, especially that I came from a sports and entertainment reporting background.
During my stay and attachment, I compiled reports for both the Taz and indeed our local publications in Zambia inline with the World Cup and other sideline stories that came with the tournament.
In all spheres, I believe my period in Germany helped me gain enough experience and exposure as regards to operating in a foreign newsroom. It was also a capacity building moment more so that emphasis was placed on initiative and individual story gathering.
In my view, this moment has added a great deal of courage to my career and I have no doubt the positives gathered in Germany will have a lot of influence on my career. All in all, I can safely endorse that programme was a success in various areas, among the exposure for the African journalists, capacity building and creation of a network among various journalists from different countries.
This also ensures that international reporting is enhanced by virtue of identifying a partner in another country who assists in identifying potential news stories of great significance to another particular country.
Additionally, the timeliness in hosting especially journalists from Southern Africa in relations to the World Cup worked out well. This is in view of the fact that South Africa would be hosting a similar tournament four years later and the participants had physical feel of what the African country should expect. In such a way, the perception of the participants immediately changes to suite the magnitude of the subject at hand. And the almost countrywide tour to cities like Hamburg, Bonn, Koln and Munchen summed up the sessions because it emerged as an assessment trip of some of the cities that hosted the tournament. Particular reference to assignments in Hamburg, including a trip on river Elber will go in my history as some of the exciting moments added to the tour of sporting facilities that either hosted teams or played a part to the World Cup.
The tour also brought to light how much preparations and upgrading of sporting facilities add to the improvement of sports standards in the country. Of course, not all was rosy for the participants and I still believe there is certainly enough room for improvement. Firstly, the issue of accommodation was hastily arranged and if it was attended to a little earlier, it would have proved perfectly well. This is not to say, the apartment at which we were accommodated had any shortcomings, but just the mere fact that if accommodation is organised well in advance, it will serve the participants an amount of inconvenience.
In summary, my stay in Germany was an eye-opener, a revealing moment and indeed an aspect of cultural diversification. With that, I salute the organisers by stating Hats off to IJP.
Charles de Olim
Dear Marco Vollmar
My 2006 IJP exchange to Berlin was dominated by one single event "The Fifa World Cup". As a journalist the obvious newsworthiness of the event provided the perfect opportunity to file as many articles for the Independent Newspaper group in South Africa and was obviously a mutually beneficial relationship.
Being placed at the Ex-Berliner may have not worked out in terms of the goals of the programme - gaining experience and exchanging ideas in an overseas newsroom - as they primarily relied on freelancers.
Nonetheless, through serendipitous events my fellow exchange colleague Esther Kogelboom's newspaper Der Tagesspiegel by default was the German newspaper I used to access information on events in Germany as well as have some of my articles published in.
Personally, as I was filing so many stories for South Africa's newspapers over this period, the fact that I did not have a set location to work played a negligible role. In fact, it made my experience of my two-month stay in Germany all that more enrichening as I benefited from the both.
In terms of my experience and how I benefited, I feel it made a huge difference in my Journalism career. As I write for an entertainment supplement, I may have been pigeon-holed or regarded as contributing only from an entertainment perspective.
Writing colour pieces, political and sport's related articles in Germany, I believe established a profile for me and inadvertently changed the perceptions my editors may have had of me and my abilities as a journalist.
Since my return I have been promoted to Acting Editor of The National Tonight - the entertainment supplement - and I have no doubt my exchange overseas played a large part in the promotion decision.
Lastly, I want to express my sincerest gratitude for the manner in which we were looked after. Eka Neumann went beyond her duty to make the transition of living in a foreign country as smooth as possible, as well as the friendliness and interest extended by yourself made thia exchange all that more enjoybale and a truly life shaping experience.
Yours sincerely
Charles de Olim

